Zu Gast bei der Deutsche Universitätsstiftung

Johann Konradt im Gespräch mit Geschäftsführerin  Dipl. pol. Cornelia C. Kliment

Bonn, Juni 2021

Dipl. pol. Cornelia C. Kliment
Geschäftsführerin
Deutsche Universitätsstiftung
kliment@deutsche-universitaetsstiftung.de
Tel. +49 (0)228 902 66-43


Cornelia C. Kliment beschäftigt sich seit über 31 Jahren mit der Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft, mit der Welt der Philanthrophie und Stiftungen.

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Johann Konradt spricht mit Cornelia C. Kliment über die Deutsche Universitätsstiftung (DUS), über deren Ziele und Leistungen zur Förderung von akademischem Nachwuchs sowie über aktuelle Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit mit attraktiven Arbeitgebern.

Johann Konradt [ für die Redaktion von Arbeitgeber-Briefing.com ]
Sehr geehrte Frau Kliment,
Wer ist die Deutsche Universitätsstiftung und für welche Leistungen stehen Sie mir Ihrem Team?

Cornelia C. Kliment
Die Deutsche Universitätsstiftung wurde im Juni 2009 vom Deutschen Hochschulverband gegründet, der Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland. Ihm gehören über 30.000 Mitglieder an. Der Deutsche Hochschulverband ist die größte Wissenschaftsvereinigung in Europa.

Wir setzen uns für die Vernetzung von Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft ein. Wir zeigen jungen Menschen die Perspektiven und Chancen eines universitären Studiums auf und unterstützen Stipendiatinnen und Stipendiaten, deren Förderung auch für attraktive Arbeitgeber interessant ist.


Johann Konradt
Welche Angebote aus Ihrem Leistungsspektrum sind besonders für Unternehmen gedacht?

Cornelia C. Kliment

Wir haben ein Stipendienprogramm mit über 520 Stipendiaten, zumeist in MINT-Fächern. Daher sind wir interessant für alle Unternehmen, die sich im Change-Management-Prozess befinden, die sich für die Zukunft aufrüsten wollen. Für Arbeitgeber, die gerade aufgrund des Wandels, Köpfe aus den Kompetenzfeldern Informatik, Data-Science, Physik, Mathematik etc. benötigen. Dies sind die Schwerpunkte, mit denen wir uns seit mehr als 10 Jahren intensiv beschäftigen.

Wir haben unsere Stipendienprogramme bewusst in den Studiengangsrichtungen und Zielgruppen entwickelt, die für den Studienabbruch geradezu prädestiniert sind. Und wir haben uns mit der Zielgruppe beschäftigt, die am meisten das Studium abbricht, nämlich die Bildungsaufsteiger (Anmerkung Redaktion: als "Bildungsaufsteiger" gelten Personen, deren Eltern nicht studiert haben und die aufgrund ihrer sozialen Herkunft Benachteiligungen im Hochschulsystem erfahren können). 2015 kamen Flüchtlinge hinzu.

Gerade diese beiden prekären Zielgruppen haben es im Studium besonders schwer. Denn sie haben oft keine Rückendeckung, keine Parkettsicherheit, keine Soft Skills und keine Netzwerke. Das bekommen sie einfach nicht im Studium. Wir beschäftigen uns seit 2012 mit der diesbezüglichen Förderung. Durch die Vermittlung von Soft Skills, der Parkettsicherheit durch Knigge-Kurse, der Schulung ihrer Auftritte in Bewerbungssituationen uvm., bringen wir unsere Stipendiaten gezielt zum Erfolg. Ermöglicht wird dies auch durch die intensive Betreuung seitens Mentoren aus den jeweiligen Hochschulen. Die aktuelle Abbrecher-Quote von unter 3 % ist ein positiver Beleg für den Erfolg unserer Arbeit.


Johann Konradt
Welche Unternehmen erachten Sie persönlich als "attraktive Arbeitgeber"?

Cornelia C. Kliment

Grundsätzlich alle Unternehmen die Zukunft gestalten wollen. Unternehmen, die sich mit den Köpfen beschäftigen, die in Zukunft diese Welt prägen werden. Das sind resiliente, ehrgeizige, intrinsisch motivierte und frustrationstolerante Menschen, die in Zukunftsfächern unterwegs sind und Großes erreichen wollen. Mit Blick auf unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten sind das junge Talente, die nicht nur ihr Leben überbrücken wollen, die nicht in Work-Life-Balance und Burnout-Formaten denken. Sie wollen vielmehr am Ende eines Tages das Gefühl haben, dass sie etwas geleistet haben, dass sie die Welt verändern können. Es sind weltoffene Menschen, die sich schon immer durchsetzen und gegen Widerstände powern mussten. In ihrer DNA steckt bereits der feste Wille Ziele erreichen zu wollen.

Johann Konradt
Gibt es auch kulturelle Unterschiede zu beachten?

Cornelia C. Kliment
Ja, durchaus. So haben wir ein Format unter dem Titel "Interkulturelles Training" entwickelt. In Gruppen mit bis zu 20 Personen gilt es nicht nur einen Knigge-Kurs zu absolvieren, sondern vielmehr ein Verständnis über unsere typischen westeuropäischen Verhaltensweisen hierzulande zu erlangen. Ergänzt wird dieses Angebot durch ein Format namens "Kollegiale Beratung". Hiermit sprechen wir Gruppen mit bis zu 5 Personen an. Last not least haben wir speziell während der Corona-Pandemiezeit ein Coaching entwickelt, im Rahmen dessen wir gewünschte Referenten mit ihrer Expertise anbieten.

Johann Konradt
Stichwort "Brücken schlagen" zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.
Wir im Team attraktive-ARBEITGBER.com erleben in Praxis, dass Beziehungen zwischen uns bekannten Unternehmen und Hochschulen sich fundamental wandeln. Insbesondere nach der "Corona-Pandemie-Zeit", geht es für zahlreiche dieser Unternehmer*innen und ihre Unternehmen um Zukunftssicherung. Im Mittelpunkt der Mensch. Hiermit verbunden der große Bedarf, die eigenen, bestehenden Mitarbeiter "fit für die Zukunft" zu halten, wie auch neue qualifizierte Talente durch ein modernes Angebot von Aus- und Weiterbildung für sich zu begeistern.
Ist dies nicht die beste Zeit für innovative Hochschulen, sich gerade jetzt, als kompetenter Bildungspartner zu beweisen?

Cornelia C. Kliment
Ja, Zeiten des Wandels bedeuten auch neue Chancen für die Entwicklung nachhaltiger Unternehmensbeziehungen. Es ist spannend zu sehen, welche Hochschulen sich als verlässlicher Partner von Unternehmen beweisen. Wobei es zu differenzieren gilt. Familienunternehmen beispielsweise, sie denken meist in Generationen. Dies ist nicht unbedingt bei allen Hochschulen der Fall. Die Finanzierung der Hochschulen im DACH-Raum ist unterschiedlich. Und private Hochschulen sind mit Blick auf ihre Drittmittel mehr gefordert.  

Johann Konradt
Wohin entwickelt sich die Förderung von Hochschulen durch Unternehmen? Gibt es langfristige Trends zu beobachten?
Ich persönlich nehme die Entwicklung hin zu einer selektiven, situativen Förderung von Hochschulen wahr. Zum einen äußern sich befragte Unternehmen dahingehend, dass sie künftig eher eine kleinere Anzahl von Hochschulen finanziell unterstützen werden. Des weiteren will man gezielter vorgehen, ausgewählte Bildungspartner nicht im Gießkannen-Format unterstützen, sondern je nach Studiengang/ Lehrstuhl. Immer mehr Arbeitgeber stellen sich die Frage, an welchen Hochschulen sie ihren Bedarf konkret und berechenbar decken können. Budgets werden danach geplant und freigegeben, ob jeweilige Hochschulen ein nachhaltiges Business-Modell vorweisen können. Anders gesagt: der Wettbewerb um Fördergelder von Unternehmen wird härter.

Cornelia C. Kliment
Es ist keine Überraschung, dass in Zeiten in denen viele Unternehmen sparen, der Wettbewerb härter wird. Die Entwicklung hin zu selektiven Förderungen von Lehrstühlen, von gesuchten Fachrichtungen, den sehe ich ebenfalls. Im Rahmen des diesjährigen "DACH Hochschulfundraisingpreis" beispielsweise, haben wir auch das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) ausgezeichnet, weil man hier langfristig orientiert Unternehmerpersönlichkeiten in das Kuratorium der Förderstiftung des UKSH einbezieht.

Johann Konradt
Beraten Sie interessierte Unternehmen in ihrer Auswahl der richtigen bzw. "passenden" Hochschulen, wie auch der Wahl attraktiver Förderziele?

Cornelia C. Kliment
Ja, wir sind sehr daran interessiert, Unternehmerinnen und Unternehmer auf ihrem Weg als Förderer langfristig zu begleiten. Unser Angebot "Philantropic Consult", Formate wie die sogenannten "Smart Talks", die Kombination von Fundraising-Kongress mit der jährlich stattfindenden "Gala der Deutschen Wissenschaft", uvm. Wir möchten interessierte Förderer mit den Hochschulleitungen, mit der Wissenschaft ins Gespräch bringen und verbinden. Die aktuellen Bedarfe und Wünsche von Unternehmerinnen und Unternehmern zu verstehen, hierauf aufbauend individuelle, passgenaue Programme anzubieten, dies ist unser Anliegen.


Liebe Frau Kliment, herzlichen Dank für das Gespräch.
Wir alle im Team von attraktive-ARBEITGEBER.com wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!


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